... while working ... I try to preserve some of them...








o.r.t. 20- firenze/poggiolo, italy 16
mugellonische nacht


durch das offene fenster geriet ich direkt ins pastaland.
was für eine überraschung. jeden tag genoss ich die walnusswiese, nahm einen großen zug der erdbeersonne und vom aperol spritz. unser miteinander gab mir, neben dem herrlichen schmelz des weißen schokoladenkuchens, viel kraft und ließ mich arbeiten. am tag und in der nacht. das mondscheingezwitscher immer in den ohren, beeindruckten mich auch das tiefe grün und weite blau. meine reise hatte sich gelohnt. einen ort dieser art zu finden, wurde immer schwerer.
verwunschen
umwoben
intensiv und nah.
tageweise entwarfen wir visionen und setzten im halbdunkel des pappelzaubers weltenbilder in gang. ein bisschen unglaublich war hier alles; denn nicht nur unsere umgebung hatte ihre wirkung auf uns, auch wir nahmen einfluss;
wir schlugen schneisen, öffneten das unterholz und versetzten berge.

o.r.t. werkboxen, "wir packen aus", mapping my life, vienna 15
jahre


ich denke an dich, lasse mich verführen. du bist unterwegs, nimmst kein blatt vor den mund, hast eine ganz andere art, den dingen nachzuspüren- horizontal auf dem weg in die zukunft; auf ein neues, denke ich mir.
das durcheinander kann mir gestohlen bleiben. der umzug ist gelaufen. alles steht an seinem platz und fehlt überall.
parallelwelt.
unsicher, wage ich den großen schritt geradeaus.
vergessen.
könnte jetzt auch auswandern, wie der typ von nebenan. verborgen und umhüllt. die worte meiner lieben berühren mich, liege in meiner welt und warte.
wo sind eigentlich die anderen?
parkbänke, energie, überall
ich bin entspannt. ausgeschlafen in begleitung meines engels, ja- er ist wieder zurück.
in bewegung, die hälfte der nacht sitzt mir noch in den knochen und regt sich in gedankenblitzen. eine mischung aus träumerei und nackten tatsachen.
sonnenwende,
blonde haare, kirschblütenpracht.
ohne fieber überlebt hier keiner. meine neue heimat ist ein wunderbarer platz. ich habe mich eingelebt. tanzen, mein leben lang.
weite wege
kurze strecke
vielfalt
ohne mit
vorher
von angesicht zu angesicht
westwerk
samstag- der vierzehnte
und ich denke an dich.


rauschend- skatøy, norway 13

kein anderer Ort fing mich mehr auf als dieser...

leise schubste mich der Wind,

streifte meine Schultern und
gab mir den Blick frei
hier
oben
im lichten Wald

voreingenommen
ungeübt

meilenweit entfernt


"...muss meilen gehen, bevor ich schlafen kann...", HAMBURG 12
KRISEN

DESILLUSIONIERT HING ICH AUS DEM FENSTER. KOPFÜBER IN MITTEN DER ALLERGRÖSSTEN SCHEISSE. WUSSTE MIR NICHT MEHR ZU HELFEN, SEHNTE MICH NACH MEINEM ENGEL. DER MIESE KERL HATTE MICH GELINKT. DAS OFFENE FENSTER ERKLÄRTE DOCH ALLES. AUF UND DAVON. WARUM HABE ICH KEINE FLÜGEL, KÖNNTE IHN DA OBEN AUFSPÜREN UND ZUR REDE STELLEN. IST DOCH KEINE ART, EINFACH ABZUHAUEN.

SCHON WIEDER REGEN. ICH KANN DIESES VIELE WASSER UM MICH HERUM NICHT MEHR ERTRAGEN. DIE FLUTEN STEIGEN MIR BIS ZUM HALS, LÄHMEN MEINEN GANG. DER ALLTAG FORDERT MICH HERAUS, MACHT MICH STARK. ALLES SUPER.

DA WAR ES WIEDER- DIESES MERKWÜRDIGE VIRTUELLE TEILCHEN, WUSSTE NICHT RECHT MIT IHM UMZUGEHEN, WAR AUFGEREGT, UNGEDULDIG, VERWIRRT. ICH NAHM ES ÜBERALL MIT HIN. WOLLTE BEEINDRUCKEN, ERREICHTE DAS GEGENTEIL. VERSUCHTE EINE LEISE ANNÄHERUNG, WURDE BELÄCHELT.

VERMISSE DICH UND KENN DICH NICHT.
DUNKLE STRASSEN, WEITE SICHT.
ZWEI UHR DREISSIG.
WERDE SCHIER VERRÜCKT.
HABE VIEL ZU SAGEN, DOCH DU HÖRST MICH NICHT.

SEKUNDEN SIND VERGANGEN- ICH PRÜFE MEINE SINNE UND STELLE FEST, DASS ICH IMMER NOCH HIER STEHE. DIE SONNE SCHEINT, MENSCHEN TUMMELN SICH. DER KONJUNKTIV RAST DURCH MEINEN KOPF.

WO BITTE GEHT`S HIER IN DEN WALD?
GELIEBEN WERDEN UND SCHLAFEN MÖCHTE ICH ...


papergirl, hamburg 10
heute morgen


vorbei an all den kleinigkeiten, konnte ich dem tag gerade noch entkommen. ich trug dieses rote kleid, das mir seit etwa einem jahr nicht mehr richtig passte. mein leben war aus den fugen geraten und ich vermochte nicht an der einzig wahren lösung zu arbeiten, die mir einen weiteren sinn in meinem daseinsgeschleppe verschaffen könnte.

allein die tatsache, dass ich durch die zeit flog, verdeutlichte meine unfähigkeit, wirklich zu bestehen. aber das war auch nicht mein ziel. denn dieses funktionieren ging mir auf die nerven. nicht nur das. ich war mir über diverse lebenslagen und delikate umstände bewusst.

während ich anfänglich noch nach luft ringen musste, war ich inzwischen in der lage, bemerkungen zu vergessen, andeutungen zu überhören, unverständlichkeiten von mir fern zu halten.

einen schritt vor den anderen, habe keine ahnung, wie das geht, versuche das überleben. die einsamkeit der stunde, das zittern der welt sind dabei meine wirklichen begegnungen. jeden tag, immer wieder.

der wahnsinn, von dem ich schreibe, ihn aber nicht kenne, verfolgt mich, bemüht sich, mich einzuholen, mir in die augen zu sehen, doch es gelingt ihm nicht.
es ist unabdingbar, irgendwann von demselben überrannt zu werden.
vorübergehend schütze ich mich, in dem ich abwesend bin, nicht zugegen, just gone.

immer wieder bekenntnis, begehren, bestimmen, belehren
all in one.
dieser mensch auf der anderen seite, war ebenfalls auf der flucht. kontaktlos schien er versunken. es gab keine möglichkeit, ihn aus seinem rungholt zu befreien. ein schatz, der geerdet und zugleich konserviert auf dem grund des lebens lag.
seither renne ich. hilft aber nix.
again: off I go, waiting for you.



lädenleuchten, hamburg 08

alleingelassen
saß sie vor der Tür- den Kopf immer noch auf den Schultern, obwohl diese die tonnenschwere Last nicht wirklich zu tragen schienen. Sie war zu spät. Ich steige um, dachte sie kurz. Gerade jetzt fiel ihr das Nachtblau des Himmels auf-
sie
hatte diese Kleinigkeit bisher übersehen.

In Gedanken verstrickt öffnete sie die Tür, stolperte über ihre Träume und landete in der Küche. Der Neonschein hüllte ihr Familienleben in eine gelbe Wolke und versprach einen weiteren wunderbaren Tag.


raussicht, Hamburg 07

rot
ist keine farbe, sondern ein gefühl- ausgelöst durch unterschiedliche faktoren.

faktor 1
kabul
RAUSSICHT
QUADRATISCH
PRAKTISCH
MARZIPAN ODER ERDBEERE?

faktor 2
bagdad
beautiful girl
wangen leuchten
sun goes down
vergessene schlacht
unendliche weite
lautes knallen
herber duft

faktor 3
madrid
sie stieg die treppe zum apartment hinauf, um momente später die tür aufzuschließen und ihn mit einer anderen vorzufinden- sie war sich sicher. im gleichen augenblick entgleiste ein zug, körper hatten keine chance, seelen wurden erschüttert. richtung schlafgemach unterwegs, bemerkte sie die offen stehende badezimmertür. im vorbeigehen erkannte sie ihn- in der Badewanne liegend... allein. realitätsverlust- nein, den hatte sie nicht- seit fast drei jahren ging das so. die welt sah von unten einfach anders aus.

faktor 4
gaza
zufrieden stand sie auf, nahm ihre tasche und einen weiteren atemzug dieser seltenen luft, streifte die kugelsichere weste über, lief die treppe herunter, zählte bis zehn, ließ sich auf die umstände ein, suchte im dunkel die spuren, erkannte die gefahr, rannte dem eigene schatten davon und verlor schließlich den blick.

faktor 5
moskau
anna stand vor dem spiegel und betrachtete in aller ruhe die person, die vor ihr stand. heute ist dein tag, entgegnete sie der emporsteigenden unsicherheit. ihre öffentliche unerschrockenheit zeichnete sie aus. seit jahren wurde ihre stimme beschnitten. gruen war hier nichts. die stadt versteckte sich unter dunklen wolken als anna makarow auf der straße traf.

faktor 6
islamabad
dieses kribbeln machte ihr zu schaffen. tageweise schwerelos, traute sie ihren ohren nicht. ausnahmezustand- was für ein wort für ihre situation. heavens playground sah anders aus. jetzt, während sie darüber nachdachte, erinnerte sie keine ähnliche begegnung. die minuten vor ihrem auftritt waren lang. jedes wort war geplant, sie brauchte die kraft, nahm sich zeit, ließ den blick gleiten- hyperaktivsyndrom, darunter litt sie schon im exil. 




seit langem

renne ich
sehne mich
entgegne nicht

warte

versuche ich
erkläre mich
begreife ich
verstehe nicht
erhebe mich


erwarte

vergesse ich
ergebe mich



noch, hamburg/düsseldorf 04


noch


...während ich tief durchatme, wendet sich das blatt an einer anderen stelle des erdballs. mein cousin würde das als einen haufen scheiße bezeichnen. irgendwie hat er mich mit seiner klaren auseinandersetzung oft überzeugt.

es ist eine schöne gegend hier unten am atlantik. die wellen werfen sich vor meine füße und die sonne trocknet meine badehaube. seit etwa einer woche bin ich hier- natürlich nicht allein. entblößte körper versuchen sich mir tag für tag auf merkwürdige weise zu nähern. mit schnellem auge sondiere ich und übersehe die anspielungen. schönheit ist immer relativ.

die gezeiten rauschen. direkt vor mir 90-60-90. sie trägt ein opulentes kragencollier, mehr nicht. warum auch. neptuns juwelen umschließen ihre nippel und schockieren den halben strand.

neben diesen reizen bin ich beeinflusst vom erdbeben in japan, einer erneut fragwürdigen stellungnahme der amerikanischen regierung zum thema frieden und meinem eigenen puren überleben.

mich zweideutigen gedanken entreißend, hänge ich zwischen himmel und erde. sehne mich nach süßen träumen. doch die pneumatik wirft mich zurück

in hamburg

es regnet. irgendwie lande ich auf meinen füßen. hochprozentig manipuliert, bin ich gewappnet.
hochwohl verblümt.
mit schirmchen, klönchen und einem leeren glas...



kontakt, hamburg/cologne 03


schneewittchens schlaf


... aufmerksam betrachte ich mein gegenüber- er scheint tief versunken über irgendetwas nachzudenken. die art, in der er seinen kaffee herunterspült, lässt vermuten, dass er kontakte hat, die ihm nicht gut tun.
augenblicke später kritzelt er worte auf die zeitung, die vor ihm liegt. sein handy klingelt. die nervig trällernde melodie sprengt den raum.
sein gespräch hält er kurz. wortfetzen wie begegnung und erinnern landen an meinem tisch. nach weiteren minuten betritt eine frau das café. zielstrebig nähert sie sich meinem gegenüber. sie trägt ein silbernes kleid. lamettafäden hängen hier und dort herunter. die silberne frau ist aufgebracht. als er sie bemerkt, deutet er auf den stuhl neben sich. erregt wirft sie etwas auf den tisch. erst bei genauem hinsehen erkenne ich einen perlentaucher.


dinge nehmen ihren lauf.

hänsels not veranlasst ihn zum gehen. er zahlt, steht auf und lässt die silberne frau zurück. ich nehme den letzten schluck aus meinem glas und verlasse ebenfalls den ort des geschehens. auf dem weg hinaus sehe ich die zeitung meines gegenübers auf der theke liegen. ich lese die worte schneewittchens schlaf oder bekenntnis eines mörders und öffne die tür...

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